THEATER UHURU
„Pierogi“ ist ein Stück über Glaube und Religion und zugleich über deren Entbehrlichkeit. Heutzutage kann alles zu Religion werden, jeder von uns kann sich eine eigene Religion schaffen, die ihm am meisten entspricht. Oder man kann ganz auf sie verzichten, weil man sie für nichts braucht und sie sogar zu einer Last werden kann.
Die Hauptperson in „Pierogi“ ist ein Junge, dessen Religion Pierogi mit Gemüse essen ist. Nachts, wenn er nicht einschlafen kann, geht er in die Küche, macht den Kühlschrank auf, nimmt die vorher zubereiteten Pierogi und isst sich satt. Erst danach kann er ruhig einschlafen.
Die anderen auf der Bühne üben eine Art religiöses Ritual aus, vermeiden es aber, ihr Verhalten als religiös zu bezeichnen. Ihr Glaube ist eher mit der Gegenwart verbunden, mit dem Leben im Hier und Jetzt, ohne sich Gedanken über die noch unbestimmte Zukunft oder das Jenseits zu machen. Sie wollen so bleiben, wie sie sind – gewöhnliche Menschen, die nicht über Irreales nachdenken. Sie wollen nichts vortäuschen, keine Illusion schaffen und nicht in einer solchen leben. Für sie ist die Wirklichkeit konkret. Wenn etwas ist, dann ist es, wenn etwas nicht ist, dann ist es nicht.
„Pierogi“ ist auch ein Symbol, eine Metapher für die Bindung des Menschen an etwas, was ihm Ruhe und Glauben an das Leben überhaupt gibt. Dieses Etwas kann eine Religion sein, der Glaube an Gott oder eine bestimmte Idee, es kann aber auch Atheismus oder nichts von alldem sein. Pierogi ist ein universeller und zeitloser Teil unseres Lebens. Jeder Mensch hat etwas, was ihm wichtig ist. Statt Pierogi könnten es auch Pfannkuchen, Hausschuhe, heilige Figuren, Bäume, Vögel, die Sonne, Wolke oder etwas anderes sein, denn die menschliche Phantasie kennt keine Grenzen.
Genau davon handelt „Pierogi“.
Guten Appetit!